Die neuen Konservativen an der Spitze der Welt

Das lange Sterben des alten Papstes und die Wahl des neuen warEN die Medienereignisse der letzten Zeit und erreichten phasenweise Hollywood-Format. So ganz nebenbei schaffte es der Vatikan mittels Beerdigung und Wahl für Wochen zum absoluten Quotenrenner zu werden. Die Welt interessiert sich offenbar für das Thema Papa, Papst, Vater. Vor allem aber hat sie seit neuestem wieder viel übrig für patriarchale Überväter und der letzte Papst war, wie immer man zu ihm steht, nicht nur durch die Länge seines Pontifikats zum Übervater geworden.

Er hat auf vielen Ebenen und auf seine ganz eigene Art Spuren hinterlassen. In Glaubensangelegenheiten hat er die liberalen Spuren eines Johannes XXIII wieder getilgt, die Hierarchie auf streng konservative Werte eingeschworen und damit die Kirche vor allen Liberalisierungsversuchen konsequent bewahrt. Er hat sogar Kurs gehalten, als massive Skandale um pädophile Täter unter dem Talar das Kirchenschiff ins Schlingern brachten und er stand unerschrocken zu sich und den Fundamenten seines Glaubens auch gegen jede Kritik.
Politisch hat er mit massiver finanzieller und moralischer Unterstützung der polnischen Solidarnosc zum Sturz des Kommunismus in Polen beigetragen und damit den ersten Stein aus dem kommunistischen Mosaik gebrochen. Damit gehört er zu den Wegbereitern der neuen Weltordnung, die das Gleichgewicht des Schreckens zwischen den beiden großen Blöcken in jenen Schrecken ohne Gleichgewicht gewandelt hat, wo die letzte verbliebene Weltmacht fast uneingeschränkt machen kann, was sie will.

Kirchenpolitisch hat er sich als erster Papst, zwar Jahrhunderte zu spät aber mit Inbrunst für die GreuEltaten der Inquisition und die Vergehen seiner Kirche gegenüber den Juden entschuldigt. Gleichzeitig hat er aber jenen Papst der Nazizeit heilig sprechen lassen, dessen Kirche über die berüchtigte Klosterrute ranghohe Nazis in die Sicherheit des katholischen Lateinamerika schleuste. Sozialpolitisch hat er mit seinem Verbot von Kondomen in Aidszeiten vor allem in Lateinamerika und Afrika eine Verantwortung auf sich und seine Kirche genommen, die leicht zur Schuld werden könnte und von kommenden Generationen beurteilt werden wird.

Wer tiefer in seine Muster und seine Art eindringen will, kann das leider über sein schweres in aller Öffentlichkeit gelebtes Los in Gestalt der Parkinson´schen Erkrankung tun. Wie er sich mit Würde, Mut und nicht erlahmendem Durchhaltevermögen treu blieb, verdient größten Respekt und ist dabei doch „deutlich“ im Sinne von „Krankheit als Symbol“.

Was aber bedeutet die hochgeschaukelte Energie um den Papstwechsel für die Welt? Warum hat sie daraus solch ein Spektakel gemacht? Offensichtlich bekommen erzkonservative, auf alte überlieferte Werte eingeschworene und in verschiedener Hinsicht uralte Männer wie der Papst und aber auch George Bush, jener andere auf seiner Ebene noch mächtigere konservative Kämpfer für den alten Glauben, wachsende Zustimmung. Und sie bekommen sie gerade dort, wo sie sich zurückwenden und versuchen, die Welt mit zu nehmen. Wenn solch alte Männer für sich und ihre alte Medizin soviel Zuspruch erhalten, spricht das dafür, dass viele Menschen mit ihnen zurück in die Vergangenheit wollen. Es könnte aber auch Ausdruck von schlichter Gegenwartsverdrossenheit sein. Die Frage, ob die alte Medizin der Kehrtwendung für die neue Zeit passt, lässt sich aber natürlich nicht mehrheitlich entscheiden?!

Dass der Nachfolger des erzkonservativen Papstes wieder ein Erzkonservativer wurde, ist keine Überraschung, denn fast alle Wahlberechtigten des Konklave waren vom alten Papst eingesetzt. Diese hätten – laut Reglement – zwar jeden beliebigen Katholiken wählen können, aber so selbstlos waren sie in der langen Geschichte der Kirche noch nie. Lieber haben die Kardinäle auch diesmal wieder einen der ihren auf den Thron gehoben, und das konnte eben nur ein Konservativer sein. Da alle Kardinäle vom Papst ernannt sind, kann man beim Konklave wohl nicht von Demokratie sprechen, was ja kein Vorwurf ist, denn die katholische Kirche lehnt ja bekanntlich Demokratie für ihre eigenen Strukturen strikt ab, was sie nicht hinderte, sie von Ländern wie den exkommunistischen vehement einzufordern.

Von Seiten des zweiten alten Konservativen, aus Bushs Amerika, kommen ähnlich rückwärtsgerichtete Anregungen zur Rettung der Welt. Auch hier wird der Krieg gegen das Böse mit so ziemlich allen Mitteln und eher evangelischer Inbrunst geführt. Auch dieser Kampf ist nicht gerade erfolgreich, statt ihn zu reduzieren hat er den Terrorismus zum Beispiel vervierfacht. Aber er findet viel Zuspruch in einer verunsicherten Welt.

Die Frage bleibt, ob wir einfach zurückkehren können zu den alten Werten. Würde mit ihnen alles wieder gut, wie sich wohl die meisten der Anhänger des Papstes und des amerikanischen Präsidenten erhoffen?

Das Phänomen Bert Hellinger, auch ein großer alter Mann in diesem Fall der Therapieszene, könnte eine weitere Facette zur Beleuchtung dieser Situation beitragen. Er ist in der schon gar nicht mehr für möglich gehaltenen Position, als älterer Herr, u.a. jungen auf Emanzipation ausgerichteten Frauen mit großem Engagement eine uralte patriarchale (Welt-)Ordnung mit größtem Erfolg anzudienen. Seine Ordnungen der Liebe folgen dem altbekannten patriarchalen Muster: 1. der Mann, 2. die Frau. 3. der Erstgeborene.

Selbst im Rechtssystem moderner Staaten ist diese Hierarchie überholt und nicht mehr akzeptiert, auf der psychischen Ebene aber findet sie heute wieder regen Zuspruch. Die Verdienste der Familienaufstellungen bleiben dadurch natürlich unbestrittenen, die Idee der Ordnung dahinter ist jedoch uralt. Wenn sie zeitlos wäre, bräuchten wir uns nicht zu sorgen, aber alle Zeichen sprechen dafür, dass sie überholt ist, auch wenn sie noch so zurückgesehnt wird. In Krisenzeiten wie der gegenwärtigen ist das Alte immer verlockend, denn es hat wenigstens früher einmal funktioniert. Wer im Chaos gelandet ist, ob seelischer oder sozialer Art, sehnt sich fast immer nach der alten Ordnung zurück, denn jede Ordnung ist besser als keine. Die „früher-war-alles-besser-Mentalität“ ist hinlänglich bekannt und unter diesem Aspekt auch gut zu verstehen, aber ob sie zum Ziel führt, ist fraglich, weil dieses möglicherweise nicht in der Vergangenheit liegt.

Entwicklungen lassen sich besser verstehen, wenn man zurück zur ihren Anfängen blickt, denn alle Möglichkeiten liegen schon im Anfang, so wie im Samen der ganze Baum. Wer es riskiert, hinsichtlich des Papsttums den Blick zu den Anfängen zurückschweifen zu lassen, versteht vieles besser und besser lässt er dabei alle Wertungen aus dem Spiel. Der erste Papst war Petrus und der beginnt recht skandalös. Aber Christus lässt keinen Zweifel daran, dass er um seinen Charakter weiß und ihn trotzdem will. Er baut seine Kirche auf den Felsen Petrus, obwohl er dessen Wesen erkennt. Wie kein anderer Jünger missversteht Petrus seinen Meister, den er offenbar für einen politisch und weltlich orientierten Weltverbesserer hält. Bei der Gefangennahme im Garten Gethsemane etwa, wo Jesus bei seiner anstehenden Verhaftung ausdrücklich alle Gegenwehr untersagt, hält sich einzig Petrus nicht daran und schlägt einem der Soldaten das Ohr ab. So wird verständlich, dass Petrus nicht der Lieblingsjünger des Herrn war. Als dieser am Kreuz sterbend die beiden seinem Herzen nahestehenden Frauen, seine Mutter Maria und Maria Magdalena, dem Jünger, den er liebte, nämlich Johannes anvertraut, wird das deutlich. Immer wieder verteidigt Jesus Johannes gegen das Unverständnis von Petrus, aber andererseits lässt er allen zwölfen ihren Platz. Auch Thomas etwa, der Zwilling und Zweifler, deutlicher als andere Jünger nach seinem Urprinzip benannt, wird von Jesus akzeptiert und bekommt als einziger den physischen Beweis der Auferstehung, als er Christus Wundmale ertasten darf. Jesus kennt seine Pappenheimer und wird jedem gerecht – nicht nur, aber auch unter den 12 Jüngern.
Mit Petrus hat er es von Anfang an besonders schwer, weil der wenig begreift und eben diese Tatsache selbst verkennt. Am krassesten wird das, als Jesus ihm voraussagt, er werde ihn noch in derselben Nacht dreimal verleugnen und Petrus das sofort vehement bestreitet, um es dann aus opportunistischen Gründen genauso rasch zu tun. All das wissend baut Christus trotzdem ganz absichtlich seine Kirche auf diesen Felsen. Und diese bleibt der durch den ersten Petrus aufgebauten Tradition im wesentlichen treu und – gerade weil sie sich – mangels Verständnis - kaum um die Inhalte kümmert, die der Meister verkündet hat, bringt sie es zu sehr viel weltlicher Macht. Petrus bleibt seinem uranfänglichen Irrtum treu. Im Anfang liegt alles, wie es in der hermetischen Philosophie heißt.
Bei den USA ist der Blick auf die Wurzeln ebenso leicht und erhellend. Aus einer Mischung von religiösen Eiferern in Gestalt der Pilgrim-fathers, Unzufriedenen und begnadigten Verbrechern zusammengewürfelt, wurde der eklatante Frauenmangel durch den Import von Prostituierten aus englischen Küstenstädten ausgeglichen, denen man ein gutbürgerliches Leben versprach. Dieses Versprechen wurde gehalten und die vitale Mischung hat sich bis heute bewährt, auch wenn sich in der religiösen Eiferei politischer US-Führer wie Bush noch immer unschwer das Erbe der Pilgrim-fathers ahnen lässt, während die Kriminellen in den Mafiahochburgen ihre fröhlichen Urstände feiern und das Erbe der ehemaligen Prostituierten einerseits in der größten Pornoindustrie der Welt und andererseits in überkompensierender Frömmigkeit des Bibelgürtels der USA weiterlebt.
Das Ideal der USA ist der heldenhafte Cowboy, der sich sein eigenes Reich schafft und das ist durchaus von dieser Welt. Dass dieser Kuhjunge aus einer anderen Perspektive betrachtet nur ein Landräuber ist, der in seiner Kulturlosigkeit und ohne jedes Verständnis die Kultur der Indianer niederschoss, spielt da wenig Rolle. Die Cowboynummer hat ganz am Anfang gut funktioniert, und so wird sie in schweren Zeiten wie jetzt - wieder ausgepackt.
In Zeiten des Umbruchs und der Krise neigen Menschen zur Regression und damit zur Wiederentdeckung alter Werte. Dabei ist es fast egal, ob diese überhaupt je funktioniert haben oder Chancen haben, das in Zukunft zu tun. Das Papsttum wird so immer konservativer und entfernt sich weiter vom Gott der Liebe, der nicht nur zur Versöhnung und Feindesliebe aufforderte, sondern mit dem Abschaum der damaligen Gesellschaft, den Zöllnern und Prostituierten besonders gut konnte. Für an weltlicher Macht orientierte und interessierte Menschen ist er, der auf nichts und niemanden projizierte, aber extrem schwer zu verstehen.
Die USA setzen in schwieriger Zeit wieder mehr auf die besseren Waffen, ausgehend von der frühen Erfahrung, dass, wer zuerst schießt, langfristig die besseren Karten hat. Die dahinter steckende Idee, dass der bessere Schütze auch der bessere Mensch sei, ist zwar durch nichts bewiesen, aber klar ist, dass man so zu Macht kam und dass sich das einmal sehr gut angefühlt hat.
In Zeiten, wo die alten Ordnungen brechen und sich noch keine neuen abzeichnen, durchlaufen wir die typischen Stadien der Krise. Im Augenblick befinden wir uns sozusagen im Niemandsland, wo auf gar nichts mehr Verlass ist. Da müsste – in Analogie zu Lebenskrisen - Bilanz gemacht und Altes geopfert werden, ohne dass noch Hoffnung auf Besseres und Neues besteht. Erst dann besteht Hoffnung auf wirklichen Neubeginn auf einer höheren Bewusstseinsebene.
In solchen Zeiten wird häufig der Ruf nach der Vergangenheit wach. Kaum waren die Israeliten Moses in die Wüste, das damalige Niemandsland, gefolgt, murrten sie wider ihn, denn das gelobte Land kam nicht in Sicht, die Fleischtöpfe Ägyptens aber waren bereits verloren.

Diese Sehnsucht nach dem Alt(en) Bewährten mag auch die Massenbewegung um den konservativen alten Papst erklären. Er war eine verlässliche Autorität, ganz so wie sie früher auf allen Ebenen üblich waren. In einer sich so rasch verändernden Zeit, die ihre alten Werte schneller verliert als sie neue entwickeln kann, muss solch eine Figur faszinieren. Er war noch einer von den richtigen Vätern, die heute so knapp werden. Der österreichische WEIH-Bischof Laun brachte es treffend auf den Punkt: Früher hatten die Eltern vier Kinder, heute haben die Kinder vier Eltern. Das ist nicht gerade ein Stabilitätsprogramm. Wäre es nach dem alten Papst gegangen, hätte es nie soweit kommen können. Dann wäre die Scheidung sicher noch verboten, Homosexualität würde wohl noch als Todsünde geführt und behandelt, konsequente Abtreibungsverbote würden für mehr Kindersegen sorgen und aus den Krankenhäusern wären keine GmbHs geworden, sondern sie würden von einem reichlich vorhandenen Nonnennachwuchs wie EH und je geleitet. In Bezug auf die Homosexualität hat der neue alte Papst diese Linie, durch die 11 Prozent der Weltbevölkerung verunglimpft werden, ohne Not, also wohl aus Überzeugung, neuerlich beschworen. Wahrscheinlich hätte Christus auch Homosexuelle in seine große Liebe eingeschlossen, in seinem Weltbild brauchte er keine Sündenböcke, seine Petruskirche aber lebt geradezu davon.

Wenn wir gerade miterleben konnten, wie sehsüchtig auch jene Menschen auf einen neuen Papst warteten, die sich schon längst nicht mehr an die altbackene Moraltheologie der Kirche halten, wird deutlich, dass es hier wohl um eine tiefe Sehnsucht nach dem Vaterprinzip geht, nach einer verlässlichen Autorität, an die man sich unbesehen halten und anlehnen kann.
Und möglicherweise kommt auch die Sehnsucht nach intakten Ritualen hinzu, die nirgendwo so selbstbewusst und eindrucksvoll wie in der katholischen Kirche zelebriert werden oder wenn das Pentagon sein Volk für einen neuerlichen Waffengang reif macht. Rituale kann und braucht man nicht (logisch) verstehen und trotzdem oder gerade deswegen haben viele Menschen ein ungebrochenes Vertrauen in ihre nicht zu leugnende Wirkung.

Dabei mag es etwas Beruhigendes haben, hinter all dem das Wirken und Weben der zeitlosen Gesetze zu erkennen, wie etwa das der Polarität und der Resonanz. So lässt sich in allen Schattenseiten auch Licht und in der Nähe des hellsten Lichtes auch dunkelster Schatten erkennen. Alles hat seinen Sinn und seine Bedeutung, ob wir es nun mögen oder nicht. In solch einer Situation der Sehnsucht nach Altem scheinbar Verlässlichem, liegt das Konservative im Trend – egal in welchem Gewand es daherkommt. Da dürfte es zum Beispiel in Deutschland schon reichen, aus dem Osten zu kommen und Frau zu sein, um Wahlen zu gewinnen. Hinter diesen Entwicklungen stehen durchaus durchschaubare Gesetze. Wer diese Grundgesetze versteht, wie sie etwa im Seminar Archetypische Medizin I dargestellt werden oder jetzt Anfang August auch erstmals in der Gesundheitswoche, tut sich ungleich leichter mit dem Verständnis der Welt. Denn nur wer die Regeln des Spiels, das er spielt, kennt, wird das Spiel lieben können und darin Erfolg haben und Erfüllung finden – das ist beim Spiel des Lebens natürlich genauso.

Aus: DAHLKE-INFO No. 03/05


 

rolex daytona oyster perpetual replica rolex 3135 replica fake bulgarian passport rolex gucci replica - handbag - handbags tag heuer grand carrera calibre 17 fake rolex milgauss price replica watch replicas swiss movement tag heuer carrera 1887 rose gold replica swiss replica watches with swiss movement rolex imitation panerai swiss watches replica rolex watches datejust omega speedmaster professional copy highest quality swiss copy watches replica watch info twitter watches bvlgari fake fake panerai buy